HAND DRAUF Herbst 2019

8 ERFAHRUNGSBERICHT »Ich verfolge diesen Plan seit zehn Jahren« H endrik Helms ist 27 und Chef eines Zehn-Mann-Betriebs. Zum Jah- resbeginn 2019 übernahm er von seinem Onkel die Leka Bau und Planungs GmbH, ein gutgehendes Handwerksunternehmen im Bereich Hochbau. Das Resümee von Hendrik nach sechs Monaten. » Den Handwerksbetrieb habe ich von meinem Onkel übernommen, der ihn im Jahr 1994 gegründet hat. Seit ich mit 14 zum ersten Mal mit auf die Baustelle gegangen bin, habe ich das Unternehmen kontinuierlich beglei- tet. Ausbildung, Meisterschule, das BWL-Studium: Bei allen Ausbildungs- schritten habe ich hier gearbeitet, immer als »gewöhnlicher« Angestellter auf den Baustellen. Zuletzt, die vergangenen 1,5 Jahre vor der Übernah- me, habe ich den Betrieb mit meinem Onkel gemeinsam geführt und ihn schließlich rausgekauft. Von ihm war es am Ende ein großer Wunsch, die bürokratischen und organisatorischen Aspekte seiner Arbeit endlich abgeben zu können, um wieder auf der Baustelle zu sein. Hätte ich den Betrieb nicht übernommen, hätte er den Betrieb wahrscheinlich auf zwei, drei Personen reduziert und wäre nur noch mit ihnen auf Baustellen gefahren. Heute arbeitet mein On- kel nach wie vor im Betrieb und betreut unsere Fliesenprojekte vor Ort. Ich kannte die Firma vor der Übernahme schon sehr gut, doch die genauen Zahlen kannte ich bis zum Schluss nicht. Klar, einzelne Baustellen hatte ich schon abgerechnet, aber in das große Ganze bekam ich erst kurz vor dem Kauf einen Einblick. In diesen Bereich ließ sich mein Onkel nicht in die Karten schauen, was ich jetzt als Geschäftsführer absolut nachvollziehen kann. Die Übernahme bereue ich auf keinen Fall. Ich verfolge diesen Plan seit zehn Jahren, hatte ihn trotz vieler Umwege immer im Visier. Und jetzt habe ich es endlich geschafft. Das find ich natürlich super. « Drei Tipps für künftige Unternehmer Du planst, einen Betrieb zu über- nehmen? Darauf solltest du achten! Hendrik teilt seine wichtigsten Ratschläge: 1. Wisse, was du tust Blauäugigkeit und Gedanken wie »Das wird schon irgendwie« haben bei der Übernahme von Betrieben nichts zu suchen. Ich beobachte, dass viele zu jung und unerfahren sind, um für den Betriebsalltag gewappnet zu sein. Das betrifft besonders alles, was abseits des eigentlichen Handwerks passiert, also Bürokratie, Finanzen und Organisation. 2. Nimm Freizeit nicht zu wichtig Jeder, der einen Betrieb führen möchte, sollte sich bewusst machen, dass er Freizeit für eine lange Zeit hintanstellen muss. Du hast einfach nie frei. Selbst an einem vermeintlich freien Tag kreisen die Gedanken immer um den Betrieb und das musst du aushalten können. Drei Jahre nach der Übernahme wird es hoffentlich entspannter. 3. BWL-Wissen aneignen Je größer der Betrieb und je höher die Anzahl der Subunternehmen, mit denen du zusammenarbeitest, desto wichtiger ist BWL-Wissen. Wie man es sich aneignet, muss jeder selbst entscheiden. Mir hat ein BWL-Studium sehr geholfen. Doch sei dir bewusst: Die ersten Schritte in Betriebsführung lernst du in einer Ausbildung oder einem Studium. Den Rest musst du dir in der Praxis selbst aneignen. Leka Bau und Planungs GmbH leka-bau.de  Hendrik Helms, 27 und Geschäftsführer der Leka Bau und Planungs GmbH

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