HAND DRAUF Herbst 2019
7 INTERVIEW Von Anfang an Nachfolge planen U m sich über Unternehmensübernahme bzw. -über- gabe zu informieren, ist nachfolge-in-deutschland.de eine gute Adresse. Verantwortlich für die Webseite ist Prof. Dr. Birgit Felden. Sie und ihr Team haben sich einiges einfallen lassen, um die Infos verständlich und übersichtlich darzustellen. Wir sprachen mit ihr über die Tücken der Unternehmensnachfolge. Frau Felden, wie lautet Ihr wichtigster Ratschlag an Eigentümer von kleinen Handwerksunternehmen, die nach einem Nachfolger suchen? Birgit Felden: Früh anfangen! Und damit meine ich wirklich früh. Denn jeder Existenzgründer braucht einen Notfallplan – und zwar von Anfang an. Es kann immer etwas Unvorhersehbares geschehen, wodurch das Unternehmen ad hoc von jemand anderem weiterge- führt werden muss. Für die »normale« Nachfolge empfehle ich, mindestens drei bis fünf Jahre im Voraus anzufangen. Es ist immer noch so, dass sehr viele Unter- nehmer einfach zu lange warten. Dass Unternehmer mit 75 beginnen, ihre Nachfolge zu planen, ist nicht selten. Das ist schade, denn je früher man beginnt, desto mehr Möglichkeiten stehen einem offen. Je später der Unter- nehmer beginnt, sich um die Nachfolge Gedanken zu machen, desto eingeschränkter ist er. Sie haben in einem anderen Interview gesagt, dass Unternehmer Management-Themen vernach- lässigen. Was meinen Sie damit? BF: Viele Unternehmer machen den zweiten Schritt vor dem ersten. Sie fragen sich: Wie kann ich möglichst viel Steuern bei der Übergabe sparen? Auf welche Art und Weise zahlt sich eine Übernahme finanziell für mich aus? Im ersten Schritt sind aber ganz andere Fragen wichtig, und diese betreffen typische Manage- ment-Themen. Möchte ich den Standort erhalten? Möchte ich Mitarbeiter halten? Bringt der Nachfolger die notwendigen Kompetenzen als Unternehmer mit? Habe ich ein solides Konzept, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen? Bevor ich mir Gedanken um die steuerliche Optimierung einer Übertragung mache, sollte ich diese Fragen beantwortet haben. Die Suche nach einem Unternehmensnachfolger ist häufig von starken Emotionen begleitet. Sind Emotionen hilfreich? BF: Ich kann nicht sagen, dass Emotionen per se schlecht oder gut sind. Emotionen können einen gro- ßen Nutzen haben. Sie setzen Ressourcen frei, motivie- ren und machen auf schlummernde Probleme aufmerk- sam. Emotionen sind ein gutes Zeichen dafür, dass die involvierten Personen miteinander sprechen müssen. Und hier kommen wir auch zur Lösung der meisten Probleme: Kommunikation. Gefühle müssen kommuni- ziert werden. Passiert das nicht, können Unternehmen und Unternehmerfamilien daran zugrunde gehen bzw. entzweien. Welche Ziele verfolgen Sie und Ihr Projektteam mit nachfolge-in-deutschland.de? BF: Unser Ziel ist es, das eher trockene Thema so sexy darzustellen, dass auch junge Menschen Lust auf eine Übernahme bekommen. Wissen vermitteln, Barrieren abbauen und alle Informationen so aufbereiten, dass auch Menschen, die kein BWL studiert haben, sie ver- stehen. Dazu haben wir einige Tools entwickelt – zum Beispiel den nachfolg-o-mat. Unsere Zielgruppe sind insbesondere kleine und mittelgroße Betriebe. Du planst die Übernahme oder Übergabe eines Handwerkbetriebs? Schaue hier für Infos und Tipps: nachfolge-in-deutschland.de Prof. Dr. Birgit Felden, Professorin für Management KMU und Unter- nehmensnachfolge, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Foto: Paul Leclerc
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