HAND DRAUF Herbst 2019

6 Bleibt es in der Familie? 200.000 Inhaber von Handwerksunternehmen gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Was dann mit dem Betrieb passiert, ist bei vielen noch völlig unklar. Sie stehen vor der Herausforderung, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Doch: Wann anfangen, wie suchen, wen fragen? Wir helfen weiter. UNTERNEHMENSNACHFOLGE CHEFSACHE W enn der Leiter eines Handwerksunternehmens nach Jahrzehnten seinen Hut nimmt und zum letzten Mal die Tür hinter sich zuzieht, ist das ein sehr emotionaler Abschied. Er lässt nicht einfach nur eine Firma, sondern sein Lebenswerk zurück. Kein Wunder also, dass viele Unternehmer nur sehr widerwillig an ihren Abschied denken. Ebenso wenige kümmern sich rechtzeitig um einen guten Nachfolger, damit der Be- trieb erfolgreich weitergeführt wird. Zudem ist es gar nicht so einfach, in Zeiten von Fach- kräfte- und Nachwuchsmangel geeignete Kandidaten zu finden. Jahrhundertelang war es außerdem Brauch, den Betrieb an den Sohn oder einen anderen Familien- angehörigen weiterzugeben. Doch Söhne und Töchter von Handwerksunternehmern haben heutzutage häufig andere Pläne. Die Suche nach dem richtigen Nach- folger ist also knifflig. Wann Unternehmensnachfolge vorbereiten? Industrie- und Handwerkskammern (IHK) empfehlen die Sensibilisierung und Planung für die Nachfolge ab dem 55. Lebensjahr anzugehen. Bedenke: Ist der Richtige endlich gefunden, ist es damit nicht getan. Für die Einarbeitung, die allmähliche Übertragung der Ver- antwortung sowie die Einbindung von Mitarbeitern und Lieferanten muss genügend Zeit eingeplant sein. Nachfolge: Diese Möglichkeiten gibt es Innerhalb der Familie Die Firma bleibt in der Familie – laut Studie der Kredit- anstalt für Wiederaufbau (KfW) wünscht sich das in kleinen und mittleren Betrieben mehr als die Hälfte der Unternehmer (52 Prozent). Ein Selbstläufer ist die Familiennachfolge jedoch nicht. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Denn in Unternehmerfamilien kann der Nach- folgeprozess starke Auswirkungen auf die gesamte Familie haben. Sprich über deine Erwartungen, Ängste und Wünsche. Und sei immer ehrlich: Besitzt der Nach- komme wirklich die Fähigkeiten und Kompetenzen eines Unternehmers oder sollte, auch wenn es schwerfällt, doch lieber ein Externer in Betracht gezogen werden? Die Nachfolge innerhalb der Familie kann über verschie- dene Wege geschehen. Am geläufigsten sind Schen- kung, Verkauf oder Übertragung des Unternehmens gegen wiederkehrende Leistungen, zum Beispiel Rente. Innerhalb des Betriebs Auch innerhalb des Betriebs können Personen für die Übernahme der Geschäftsführung infragekommen – hier sollten Unternehmer insbesondere unter den Führungskräften und leitenden Mitarbeitern nach ge- eigneten Kandidaten Ausschau halten. Der Vorteil einer unternehmensinternen Nachfolge ist, dass der künftige Eigentümer das Unternehmen und seine Eigenheiten schon kennt und die Firma möglicherweise schon seit vielen Jahren begleitet. Außerhalb des Betriebs Unternehmer, die bereits in derselben Branche tätig sind, wollen sich vielleicht durch die Übernahme des Unternehmens vergrößern. Nutze Nachfolgebörsen, um einen Betriebsnachfolger zu finden, der sich nicht im direkten Umfeld befindet. Bekannt sind zum Beispiel nexxt-change.org und dub.de . Die Handwerkskammern bieten auf ihren Webseiten ebenfalls regionale Nach- folgebörsen. Irgendwann ist es an der Zeit, den Staffelstab weiterzugeben

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